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Dienstag, 22.06.99 --> San Francisco
by Moeh
Der Dienstag beginnt mit dem Abschied von unserer Behausung...!
Zum Glück gab es keine Mini-Bars, sonst hätte es wahrscheinlich
wieder blutige Nasen, gebrochene Arme und reiche Anwälte
gegeben. Als wir ans Tageslicht kommen, sehe ich die Auswirkungen
vom gestrigen Konzert. Breuler sieht aus wie ein Flußkrebs,
Herr Jeh wie eine Dose Dosentomaten und Vadda wie ein vorbeifahrendes
Feuerwehrauto... nur ohne den ganzen Chromschnickschnack. Ich
sehe aus wie gestern auch schon, denn ich hatte ja meinen Sonnenbrand
schon weg. Über den Brand von Robert machen wir uns dann
aber doch noch ein paar Gedanken mehr, denn das sieht wirklich
nicht gut aus. Die einhellige Meinung ist, daß das schon
Stufe zwei ist...! Aber er will es erst mal beobachten und noch
nicht zum Arzt. Heute ist der große Sightseeing-Tag... wir
juckeln mit dem V10 von Pontius bis Pilatus, machen Fotos und
solche Sachen. Golden Gate Bridge... (sinnigerweise im Nebel...) und
all so'n Krimskrams. Rein in den Van... raus aus dem Van... rein
in den Van... raus aus dem Van... Ahhhhrrrggggg. Flüche der
übelsten Art verseuchen die Luft. Robert hatte sich beim
Aussteigen den Kopf gestoßen. Daß das eh nicht eines
der angenehmsten Dinge ist, weiß ja jeder Autoverkäufer,
daß das mit Sonnenbrand noch ein bißchen dööfer
ist, weiß jeder Sonnenbrändler. Aber daß man
sich dabei auch richtig ein dickes Stück verbrannter Kopfhaut
nach hinten schieben kann, das weiß JETZT nur Robert. Als
wenn man mit dem Messer durch ein weiches Stück Butter gefahren
wäre... so sah es aus...! Olala... wir machen uns nun noch
mehr Sorgen um Robert, dessen Laune jetzt auch endlich so ziemlich
auf dem Nullpunkt angekommen ist. Nach einer kurzen Diskussion
entschließen wir uns, das verletzte Tier zu erschießen.
Er wird auch wiedergeboren (auch nicht als Donald Trump... vielleicht
hätte er ja was abgegeben... shit)... und zwar als B.Breuler...!
Die Furche auf dem Kopf hat er leider nicht im Jenseits gelassen...
und wir machen uns langsam, aber sicher Gedanken darüber,
ob diese Tode überhaupt einen Sinn haben...! Als wir Alcatraz
besuchen wollen, aber alle Fähren dorthin schon ausgebucht
sind, schlagen wir erst eine Gruppe japanischer Touristen zusammen,
springen dann gemeinsam auf ein Polizeiauto-Dach, sprengen dann
die Straßen von San Francisco, um dann mit einer legeren
Handbewegung das örtliche Minensuchboot zu versenken. Im
Polizeirevier sagt man uns dann, daß wir auch so leider
nicht nach Alcatraz kommen, denn das ist ja nicht mehr in Betrieb.
Das hätte man uns auch vorher sagen können, denken wir
noch so, als wir in B-Alcatraz inhaftiert werden. Nach einer kurzen
Diskussion brechen wir einfach wieder aus und alles ist wieder
gut..., aber A-Lcatraz haben wir trotzdem nicht von innen gesehen.
Dann irgendwann ist unser gemeinsames Sightseeing-Programm beendet.
Wir parken den Van schon mal vor dem Club, in dem wir heute spielen
und alle verschwinden in verschiedene Richtungen. Vadda, Herr
Jeh und ich flanieren ein bißchen in China-Town..., kommen
an einer dieser Fleischereien vorbei..., es hängen Hunde,
Katzen, Pferde, Delphine, Kanarienvögel und all solche Sachen
im Schaufenster. Uns wird übel und wir entscheiden uns, doch
lieber eine der kleinen lustigen Bars aufzusuchen. Dort wird uns
die Variante 2 der Nichtrauchergeschichte klar. Der chinesische
Besitzer raucht am anderen Ende der Theke eine Zigarette. Ich
frage ihn, ob man hier denn rauchen dürfe. Er erklärt
mir, daß man das nicht darf, zwinkert aber und sagt, daß
es ihm ziemlich egal sei. Aber wenn die Bullen kommen, dann hat
er damit nichts zu tun und die 76 $ müssen wir auch selbst
bezahlen, denn er hat es uns ja verboten, woll? Aha... verstehe...!
Als wir da so sitzen, kommt ein alter Chinese rein und erzählt
mir folgende Geschichte:" Ich gehe vorhin so in mein Stammlokal.
Da gibt es frisch gebrautes Bier...! Trinken tun das eigentlich
nur unwissende Touristen. Alle anderen - so auch ich - sind nur
da, um sich das Schauspiel anzugucken. Wenn das Bier getrunken
wurde, kann man danach fast die Uhr stellen... nach einer 3/4
Stunde beginnt es zu rumoren in den Touristenbäuchen. Und
heute war da so ein langer Lulatsch mit roten Haaren. Auf der
Stirn stand fast schon tätowiert: Ich bin das willkommene
Opfer...! Haha... Naja, nachdem er sein Bier getrunken hatte,
verabschiedete er sich... ging in den Park um die Ecke..., legte
sich unter ein schattenspendendes Bäumchen (damit war er
wirklich der einzige... hunderte Menschen lagen in der Sonne ...
nur einer lag im Schatten...) und schlief ein. Ich schaute so
auf meine Uhr und wußte... gleich geht's los...! Auf die
Minute genau... sprang der Lulatsch auf... kreidebleich... hahahahaha...
mit diesem suchenden Blick.... hahaha. Zack... wie auf Befehl...
in's "Elvis"... und direktemang auf´s Klo. Und dann begann
wieder die Erde zu beben in San Francisco." Und als der Alte so
seine Geschichte erzählte wurde mir klar, daß es Karl
war und er sich vielleicht in Gefahr befindet. Ich schmiß
eine Hand voll Dollars auf die Theke und raste los... zum "Elvis".
Die Klotür... verschlossen...! Ich klopfe und rufe...! Innen
sind nur Würgegeräusche zu hören... mit einem kleinen
Satz springe ich gegen die Tür (jaaa... genau wie "In den
Straßen von San Francisco"), die zum Glück nachgibt.
Karl kniet vor dem Klo... einen Arm bis zur Achsel im Bottich.
Das Klo ist komplett voll mit Elvis-Bildern und Marginalien...,
sogar eine Elvis-Putte steht herum...! Ich muß mich sofort
übergeben, denn ich hasse Elvis....! Ich: "Hömma Karl,
was machse denn da???" Karl: "Ich habe nach diesem beschissenen
frischgebrauten Bier ein bißchen im Park gelegen und bin
eingeschlafen...!" Ich: " Echt...?" Karl: "Ja! Und dann bin ich
plötzlich aufgewacht und wußte..., gleich passiert
etwas Schreckliches...!" Ich: " Echt...?" Karl: "Ja!" Ich: "Und
dann...?" Karl: "Dann bin ich hier rein..., direkt auf´s
Klo... und dann habe ich den schlimmsten Dünnsch... meines
Lebens abgelassen... puhhhh!" Ich: " Echt...?" Karl: "Ja!" Ich:
"Und was machste da mit dem Arm im Klo???" Karl: "Naja, ich habe
doch am Samstag nach dem Kauf dieser besch... Digitalkamera meine
Visacard runtergeschluckt..." So... das soll reichen... den Rest
könnt Ihr Euch ja denken, oder? Nachdem Karl seine Karte
herausgefischt hatte
und ich ihn mit Hochdruck gesäubert hatte..., konnten wir
nun endlich in den Cocodrie-Club gehen. Ein richtige Bühne,
mit richtig Sachen zum laut machen... und allem was man so will...
unser aller Laune stieg...! Nach dem Aufbau und Soundcheck kamen
dann auch noch die anderen beiden Bands, die an diesem Abend spielten...!
Seltsamerweise war bei der einen Band wieder eine junge Frau dabei,
die Räucherstäbchen anzündete...! Ich machte mir
so meine Gedanken. Wir hatten nun noch einiges an Wartezeit vor
uns, denn wir spielten ja als letzte. Der Club war zwar weißgott
nicht voll, aber es waren doch einige Leute aus dem Park extra
gekommen... und das stimmte uns froh. Sogar "David Letterman"
(der aus der Bar an der Ecke von unserem "Ex-Hotel") war gekommen.
Nun konnte ja nichts mehr schiefgehen...! Ein schönes Konzert
war es, sogar mit zwei Zugaben...! Nachdem alles abgebaut und
verpackt war, mußte Karl, dem es scheinbar wieder besser
ging, den örtlichen Barkeeper natürlich noch seine dollsten
Drinks mixen lassen...! Der war überrascht, was es alles
so gibt...! Am Ende standen alle im Türrahmen und winkten
mit weißen Taschentüchern. Wir fragen uns heute noch,
ob das als Abschied gemeint war, oder mehr so in Richtung "Wir
ergeben uns..."! Vor uns lag nun die ewig lange Fahrt nach Los
Angeles... auf dem "Highway to Los Angeles". Bernie, der fuhr,
hatte leider das schwere Schicksal zu bewältigen, daß
bei Karl alle Lampen auf "AN" waren und er meinte, Bernie mal
ein paar kleine Geschichten aus seinem Leben zu erzählen.
Ich schlief immer wieder ein... und immer wenn ich so im Stundentakt
aufwachte, erzählte er immer noch. Irgendwann wachte ich
auf... Bernie schlief... Karl erzählte immer noch...! Dann
wachte ich ein anderes mal auf..., Bernie war wach... Karl schlief...
erzählte aber immer noch. Irgenwann hörte ich Bernie
mal zwischendurch sagen: "Hey, ich bin doch der Fahrer..., müßte
ich nicht eigentlich erzählen...?" Wie ich am Tag darauf
erfuhr, hat Karl in dieser Nacht nicht nur seine komplette Lebensgeschichte
erzählt, sondern auch alle Filme, die er je gesehen hat und
alle Bücher, die er je gelesen hat...! Und ich betone: Wenn
Karl was erzählt... dann DETAILGENAU!!!
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