USA-Tagebuch
 

Montag, 21.06.99 --> San Francisco
by Moeh

Schwer belastet ist unser aller Kopf ( so scheint es mir) an diesem Morgen. Das kleine Stelldichein mit Rammstein hat uns doch allen ein wenig zugesetzt. Aber heute ist nicht der Tag für kleine Schwächeleien, heute ist der Tag unseres ersten Konzertes in dem Land der braunen Tüten und lustigen Zöllner. Wir brechen recht früh (auf), da dieses jenige Konzert schon am Mittag stattfindet. Die Ankunft an den Yerba Buena Gardens gestaltet sich doch recht überraschend. Bis auf eine Person mit einem relativ wichtigen Paß scheint niemand anwesend zu sein, der sich mit der Tatsache auseinandersetzt, daß wir heute hier unser erstes Konzert im Land der braunen Tüten und lustigen Zöllner haben. Aber nachdem uns der Paßmann nun hereingewunken hat, schlüpfen aus diversen Gebüschen noch diverse andere Leute. Wir entsteigen unserer Rakete und besichtigen erst mal die "Bühne", die keine ist. Huch... hier sollen wir spielen?!? Die Bühne kann man sich so vorstellen, daß es eigentlich nur ein befestigter Kreis ist, an dessen Rückseite ein paar Säulen stehen..., das Ganze zu ebener Erde. Das Ganze vor einer riesigen Grünfläche mitten im Stadtzentrum. Vadda, Breuler, Titten-Karl und ich gehen erst mal ein kleines Frühstück einschieben, denn von der örtlichen P.A.-Company ist noch nichts zu sehen. Unser Frühstück fällt mit temporär zunehmender Anwesenheit im Lande immer besser aus. Scheinbar bekommt man unterbewußt dann doch einen Riecher dafür, wo es Kaffee gibt, der weder wie Tee aussieht, noch nach Wasser schmeckt. So also auch heute...! Und extremst leckere Sandwiches jibbet auch dazu. Da es wirklich lecker ist, uns nur mal wieder die Preise ein wenig hoch erscheinen, beschließen wir nach einem kurzen Augenzwinkern, daß wir den Laden einfach kaufen. Das tun wir dann auch, senken kurz die Preise... speisen und trinken..., bezahlen und verkaufen den Laden gleich wieder...! So macht man Geschäfte...! Zurück in den Yerba Buena Gardens ist zu unserer großen Freude auch schon etwas geschehen... die sogenannte PA steht schon... olala. "Sogenannt" deswegen, weil sie aus drei relativ kleinen Boxen pro Seite besteht..., das Mischpult steht an der Bühnenseite und hat ungefähr die Größe eines Schuhkartons. Aber uns ist alles egal... wir wollen nur eins... spielen oder so...!!! Ein bißchen Soundcheck hier... ein bißchen Soundcheck da... und schon klingt es ganz wunderbar...! Naja nicht ganz, aber laut Zeugenaussagen klingt es zumindest nicht so wie es aussieht. Ein paar Helfer stellen zwei, drei Stuhlreihen auf und nach nicht allzulanger Zeit setzen sich auch schon die ersten Menschen. Rechter Hand eine Gruppe Behinderter, die große Freude an unserem Tun haben. Linkerhand eine Seniorengruppe..., die etwas verwirrt gucken. Genau an der Schnittstelle dieser beiden Gruppen sitzt ein alter Mann, der mich mit zunehmender Dauer der ganzen Aktion mehr und mehr verwirrt. Er hat einen Hut auf, guckt sehr verbissen und hat einen kleinen Notizblock in der Hand, auf dem er vom Aufbau bis zur Abfahrt dauernd irgendwas aufschreibt. Zuerst denke ich noch, daß es vielleicht Karl Malden ist und sich Michael Douglas nur irgendwo im Gebüsch versteckt hat..., dann sehe ich aber, daß die Nase fehlt und mir wird klar, daß er es aus diesem Grunde gar nicht sein kann. Das Geheimnis werden wir wohl nicht mehr lüften können... schade. Zu diesen beiden Menschengruppen gesellen sich dann noch die örtliche Gruppe schwangerer Mütter mit schon vorhandenen Babys... eine Kindergartentruppe... und all sowas. Ach ja... und mittendrin steht ein junger Mann, der bei uns zunächst auch ein bißchen für Verwirrung sorgt. Er hat doch tatsächlich ein Inchtabokatables-Shirt an..., na huch?!? Aber Hut-Deutung nimmt schnell Kontakt auf und löst die ganze Sache auf..., er ist ein kleiner deutscher Soldat namens (kein Scherz) EISENHAUER, der im Auftrag des Herren lustige Flugzeuge zu fliegen lehrt, oder so ähnlich. Und da er uns mag und wir gerade im Lande sind..., geht man da halt mal hin..., woll? Vor uns spielt noch die französische Fraktion, die aus einem Percussionisten und einem Gitarristen besteht. Der Gitarrist hat aus mir unerfindlichen Gründen Handschuhe an und ich hole auch schon mal meinen Schal und meine Wollmütze raus, die ich dann aber doch nicht brauche, da die Sonne mit vollster Kraft vom Himmel kawemmst. Nicht zu vergessen an dieser Band sei auch die junge Dame, die umherläuft, um diesen Park mit dem zweifelhaften Duft von Räucherstäbchen zu "bereichern". Als wir dann aber letztendlich die Bühne betreten, ist der Park wirklich voll mit Tausenden von Menschen, die hier eben einfach ihre Mittagspause verbringen. Wir spielen um unser Leben und bemerken dabei gar nicht, wie sehr die Sonne von oben herabklawummsert. Ich habe mir zum Glück schon gestern einen Sonnenbrand auf meinem kahlen Haupt eingefangen und setze deswegen vorsichtshalber ein Basecap auf...! Der Rest der Kollegen - bis auf Deutung, dem ja anstelle von Haaren ein Hut auf dem Kopf gewachsen ist - sind diesen kleinen und lustigen Strahlen aber ungeschützt ausgesetzt, was böse Folgen haben sollte. Die Amerikaner behandeln uns freundlich und sehen uns als Bereicherung und nicht als Störung ihrer Mittagspause an. Nach dem Konzert geben wir tatsächlich reichlich Autogramme. Der P.A.-Besitzer spruch den kurzen Satz, den wir nun öfter hören sollten: "You guys really kick ass, määään." Wir verstehen und machen das dann auch. Blaue Flecken an allen Gesäßen sind die Folge..., aber das macht nichts, denn plötzlich kommen diese beiden älteren Damen zu uns und wollen gleich Autogramme in dreifacher Ausführung. Sie sind hin und weg von uns...! Titten-Karl vermutet ja gleich sexuelle Interessen..., aber ich beschwichtige ihn mit den Worten: "Kalle..., es sind nicht alle so wie Du!" In Wirklichkeit wollen sie uns nämlich berühmt machen in Amerika. Das freut uns... also denken wir nicht weiter darüber nach, wie sie das anstellen wollen...! Nachdem alles wieder im Inch-Mobil verpackt ist, fahren wir zurück ins Hotel und reinigen unsere verhunzten Körper. Dann entschwinden alle in verschiedene Richtungen, denn heute ist der große Geheimnistag. Gerüchten zu Folge sollen Bernie, Hut-Deutung und T-Karl in einer Sushi-Bar gesichtet worden sein. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich ihnen ja gesagt, daß Sushi eine Sache des Vertrauens ist..., aber wer nicht hören will, muß fühlen. So stopften sie also Fisch in sich rein, der so verfault war, daß er schon wieder roh erschien... das Ganze kam auf lustigen kleinen Booten um die Ecke und so konnten sie ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen. Seltsamerweise treffen wir uns alle unverabredet und zufällig (so klein ist die Welt, denken in dem Moment wohl alle...) in einem Geschäft namens "Kaplans". Dort gibt es alles, was nicht niet- und nagelfest ist...! Alle frönen ihrem Kaufrausch...! T-Karl kleidet sich mit einer silbernen Jacke, mit der er durchaus als schwuler Plastiktiger bei der Show von Siegfried und Roy durchgehen könnte. Hut-Deutung verläßt den Laden wieder, weil er diese eine Hose da woanders für einen Dollar weniger gesehen hat. Etc. Dann wieder zurück zum Hotel... Ballast abwerfen...! Danach treffen wir uns bei Herrn Letterman an der Ecke, um zu gucken, ob es gemeinsame Pläne für den Abend gibt oder geben könnte. Dem ist nicht so..., die einen wollen ins Kino..., die anderen wollen lieber Ringelpietz mit Anfassen spielen...! Karl, Vadda und ich beschließen, uns den Sonnenuntergang am Pazifik anzugucken...! Irgendwie bleiben wir aber noch ein bißchen hängen und mir kommen leise Zweifel, ob die Sonne nicht schon untergegangen ist..., denn es ist dunkel?!? Vadda versichert mir, daß das nur in der Stadt so erscheint... am Meer geht sie noch unter. Ich habe keinen Willen und keine Energie zur Diskussion und so besteigen wir einen Bus, der uns zum Ziel bringen soll. Der Bus ist wirklich ein Erlebnis..., Vadda sagt uns, daß die Busse in Rußland dagegen wahre Luxusgefährte seien. Ich glaube ihm das ungesehen, denn unter diesem Bus hier geht wohl nichts mehr. Die Fahrt gestaltet sich so, daß wir immer wieder einschlafen, aber dann auch wieder alle 2 Minuten geweckt werden. Und zwar von dem Gebrüll des Fahrers ( der das lange Gefährt nur mit seiner Stimme darüber informiert, wie die nächste Station heißt ). Leider muß er dabei aber so brüllen, daß man eh kein Wort versteht. Zum anderen macht er bei jeder Station eine Vollbremsung..., weiß der Teufel warum..., aber er tut es eben. Völlig gerädert kommen wir dann irgendwann doch noch an. Es ist stockdunkel...!!! Wir stellen uns den Sonnenuntergang einfach vor und sind auch so glücklich und zufrieden. Als wir ein paar Meter gehen, erlebe ich den größten Schreck meines bisherigen Lebens (zumindest soweit ich mich erinnern kann...). Am Rande eines großen Parkplatzes (der in erster Linie zum Fummeln und Knutschen beim Sonnenuntergang benutzt wird) stehen Mülltonnen. An diesen Mülltonnen latschen wir vorbei... Vadda und Karl voraus... ich hinterher. Es macht "Klack"..., so als wenn gerade einer der beiden etwas in eine Mülltonne geworfen hätte. Und während ich so weiter gehe und vor mich hinsinniere, daß ja eigentlich gar keiner von den beiden etwas reingeworfen hat, entschließe ich mich dazu, einen Blick nach rechts zu werfen. Als ich das tue, bin ich genau auf der Höhe der Mülltonne. Ich schaue, schreie und mache einen Satz von ca. 49 Metern zur Seite. Dann bekomme ich einen Herzinfarkt und bin tot, werde aber gleich neugeboren als Moeh (shit... wieder nicht als Donald Trump...)und somit erneut als ich selbst auf die Welt geschmissen. Was war der Grund für dieses Schicksal? Als ich genau auf der Höhe der Mülltonne war und schaute..., saß plötzlich ein fetter Waschbär ungefähr 20 cm vor meiner Nase. Da ich nicht alle Tage mit Waschbären zu tun habe und nun wirklich mit allem gerechnet habe, aber damit sicherlich nicht, starb ich halt an diesem Tag. Sachen jibbet die jibbet ga nich. Das gleiche Schicksal ereilte übrigens Vadda ein paar Meter weiter - es war kurz nachdem er sich von seinem Lachkrampf erholt hatte - auch. Ich ging wieder hinterher und sah aber diesen Waschbären schon vorher... Vadda aber nicht...! Ich wartete also, bis er genau auf der Höhe der Mülltonne war und sagte dann: "Hömma Vadda... kumma... da rechts....!" Und..... J U M P! Hihi...hoho..haha...! Für Karl war leider kein Waschbär mehr da und so fuhren wir wieder zurück...! Vadda und ich haben - glaube ich - in dieser Nacht von Waschbären geträumt. 


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