USA-Tagebuch
 

Samstag,19.07.99 --> San Francisco
by Euter-Kalle

Samstag Morgen begann für alle mit einem typisch amerikanischen Frühstück. Eier und Toast und Kaffee satt. Als der widerliche Kaffee nicht mehr zu ertragen war, brachen Rohrbert und Herr Jeh zum Interview mit Radio Goethe auf. Der Rest machte sich auf den Weg in die Marketstreet - die fetteste Einkaufsmeile in San F. Wir besuchten den Virginstore und schauten, ob wir zufällig doch in Amerika eine Platte veröffentlicht haben. Doch wir können mit Sicherheit sagen - NEIN -. Dann kam für mich schon der erste Horror. Ich verirrte mich in einen Duty-Free-Japan-Photo-Shop und kam dem goldbeketteten Chinesen ( so einem Typen würde man niemals einen Sack Reis anvertrauen, geschweige denn die eigene Panflöte ) zu nahe. Er schnappte zu wie eine afrikanische Springteufeltarantel und saugte aus meiner Visacard Unmengen von Geld. Er gab mir eine lausige Digitalkamera, die nur minderwertige Photos macht , aber dafür ständig Batterien braucht.Ich war sprachlos, denn er saß auf meinem Mund. Als ich wieder sprechen konnte, war alles zu spät. Er gab mir noch den Rat, wenn ich aus dem Laden gehe schnell zu verschwinden, da sich hier üble Gestalten herumtreiben. Da hatte ich nun den Sch.........! Kaum da und schon sauber abgezockt. Ich tröstete mich damit, daß ich die Kamera ja vielleicht der Band vermachen könnte für´s Internet. Als ich diesen Vorschlag machte, hörten sie erst nach 8 3/4 Stunden auf, sich auf die Schenkel zu schlagen beim Lachen. Ich zog die Lehren aus meinem vorschnellen, jugendlichen Übermut und verschluckte kurzerhand meine Visacard. Dann ging ich leicht schmollend und mit dem typischen Gang eines Loosers ( linke Schulter leicht hängend und gegen jedes 3. Straßenschild dengelnd) zurück zum Hotel. Dort lag zu meinem großen Erstaunen Robert im Bett und hatte alle Decken über sich. Im Zimmer waren ungefähr 90 -91°C. Er hatte den nicht vorhandenen Ofen geheizt und wollte offensichtlich den Weltrekord in der Rubrik " ich koche mein eigenes Gehirn" aufstellen. Ich wollte den Raum - mittlerweile völlig durchgeschwitzt - schnell wieder verlassen, als Robert röchelte: " Tittenkarl (So ist leider mein derzeitiger Ruf- und Schimpfname, welchen mir Moeh - völlig bezugslos - verliehen hat) also " Tittenkarl" krächzte er unter 42 Decken hervor, " Tittenkarl, bring mir bitte eine Erbse und Gingerspice" - nein, Quatsch, jetzt ist die Phantasie mit mir durchgegangen, er hauchfauchte: "Tittenkarl, Wasser bitte, mich hat´s erwischt, ich habe BLATTLÄUSE! " Doch Gottseidank habe ich mein Fernstudium als Veterinär nicht umsonst gemacht. Ich ließ ihn aufstehen, sich vorbeugen und steckte ihm mangels eines Thermometers meinen Finger in den Popo. Sofort zog ich ihn völlig verbrannt wieder heraus. Der Kerl glühte und doch war ihm kalt. Dies war ein klarer Fall, wie er mir in meiner kurzen und völlig verheerenden medizinischen Laufbahn noch nie untergekommen war. Der Junge hatte keine Blattläuse, sondern Stangenfieber, und zwar der schlimmsten Sorte. Da half nur die Radikalkur. Ein heißer Wodka - Whiskeyeinlauf und strenge Bettruhe. Nach Ausübung meiner krankenschwesterlichen Tätigkeit ging ich vergnügt und leichten Fußes zu unserer ECKKNEIPE. Bernie hatte uns zu einem indischen Essen eingeladen, um sein üppiges Beraterhonorar mit uns zu verprassen. Da fällt mir ein, daß ich mich immer noch nicht dafür bedankt habe und hole dies hiermit nach - Danke, Bernie. Nach dem Essen hauten sich alle zur Verdauung aufs Ohr. Bernie erzählte mir noch, daß heut Abend 12 Punkbands im Cocodrie ab 1°° Uhr auftreten. Zehn nach Eins kam ich dort an, mußte noch beweisen, daß ich über 21 Jahre bin - der Türsteher hatte die Bravo gelesen- und hörte genau den letzten Akkord der letzten Band.- Danke, Bernie. Ich dübelte mir ganz fix mehrere Tequila hinter die Binde, denn um 2°° Uhr waren alle Lampen aus , auch bei mir. Ich stolperte zurück ins Hotel, schaute nach meinem Patienten - er erholte sich zusehends ( das Erbrochene war nicht mehr blutig)- und schlief zufrieden ein. 


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